Abu Abdullah Muhammad Ibn Battuta (1304-1368)

Abu Abdullah Muhammad Ibn Battuta arabisch: أبو عبد الله محمد بن بطوطة (geboren am 24. Februar 1304 in Tanger; gestorben 1377 in Marokko) war ein berberischer Forschungsreisender des 14. Jahrhunderts. Mit 21 Jahren ging er auf muslimische Pilgerfahrt nach Mekka. Nachdem er diese abgeschlossen hatte, reiste er jedoch weiter, wobei er mehr als 120.000 Kilometer durch die gesamte islamische Welt und darüber hinaus zurücklegte. Seine Aufzeichnungen unter dem Titel Rihla ("Reise") berichten von seinen Erlebnissen.

Beinahe alle bekannten Informationen über das Leben Ibn Battutas stammen aus einer einzigen Quelle - nämlich Ibn Battuta selbst. Stellenweise sind seine Angaben zu Reiseorten oder Abenteuern eindeutig erfunden, aber oftmals lässt sich heute nicht feststellen, ob er Tatsachen berichtet oder Märchen erzählt. Die nachfolgende Zusammenstellung nimmt deshalb Tatsachen an, wo nicht offensichtlich Fantasterei vorliegt.

Pilgerfahrt nach Mekka
Ibn Battutas Reise nach Mekka erfolgte auf dem Landweg entlang der nordafrikanischen Küste, bis er über Alexandrien Kairo erreichte. Hier befand er sich auf relativ sicherem mamlukischem Gebiet und begab sich auf seinen ersten Abstecher vom Weg. Damals gab es drei gebräuchliche: eine Fahrt nilaufwärts, dann östlich zur Hafenstadt Aidhab am Roten Meer. Als er dort ankam, musste er jedoch wegen eines örtlichen Aufstandes wieder umkehren.

Zurück in Kairo, machte er sich auf einen zweiten Umweg nach Damaskus, (damals ebenfalls unter mamlukischer Kontrolle), nachdem er vorher einen "heiligen Mann" getroffen hatte, der ihm geweissagt hatte, er würde Mekka erst nach einer Reise durch Syrien erreichen. Ein weiterer Vorteil seines Umweges war, dass andere heilige Stätten am Weg lagen - etwa Hebron, Jerusalem und Betlehem - und die mamlukischen Behörden sich besonders bemühten, diesen Pilgerweg zu sichern.

Nachdem er den Fastenmonat Ramadan in Damaskus verbracht hatte, schloss sich Ibn Battuta einer Karawane an, welche die Strecke von Damaskus nach Medina, dem Begräbnisort des Propheten Mohammed, zurücklegte. Um bei Kräften zu bleiben, ass Battuta die Jungen seines Kameles, da er Nachwuchs nicht brauchen konnte. Nach vier Tagen dort reiste er weiter nach Mekka. Er absolvierte die Rituale, die für die Erlangung seines neuen Status als Hadschi notwendig waren, und hatte nun seinen Heimweg vor sich. Nach kurzer Überlegung, entschied er sich jedoch weiter zu reisen. Sein nächstes Reiseziel war das Reich der mongolischen Ilchane, das auf dem Gebiet des heutigen Iran/Iraks liegt.

Über Mesopotamien an die Seidenstrasse
Er schloss sich wiederum einer Karawane an und überquerte mit ihr die Grenze nach Mesopotamien, wo er Nadschaf besuchte, den Begräbnisort des vierten Kalifen Ali. Von hier reiste er nach Basra, anschliessend nach Isfahan, das nur einige Jahrzehnte später von dem turkmenischen Eroberer Tamerlan beinahe vollständig zerstört werden sollte. Ibn Battutas nächste Stationen waren Schiraz und Bagdad, das in schlechtem Zustand war, nachdem es von Hulagu Khan eingenommen worden war.

Er traf dort auf Abu Sa'id, den letzten Herrscher des vereinigten Il-Khanats. Ibn Battuta reiste eine Zeitlang mit der königlichen Karawane und wandte sich dann Richtung Norden nach Täbris an der Seidenstrasse. Als erste grosse Stadt der Region hatte Täbris seine Tore den Mongolen geöffnet und hatte sich so zu einem wichtigen Handelszentrum entwickelt, nachdem fast alle seiner Nachbarstädte zerstört worden waren.

Entlang der afrikanischen Küste
Nach dieser Reise kehrte Ibn Battuta mit einer zweiten Hadsch nach Mekka zurück und lebte dort ein Jahr lang, um sich dann auf eine zweite grosse Reise einzuschiffen, diesmal das Rote Meer hinunter entlang der ostafrikanischen Küste. Sein erster grosser Stopp war Aden, wo er plante, ein Vermögen durch Handel von Waren zu machen, die vom Indischen Ozean auf die arabische Halbinsel kamen. Bevor er diese Pläne in die Tat umsetzte, entschied er sich, ein letztes Abenteuer in Angriff zu nehmen, und meldete sich im Frühjahr 1331 zu einer Reise Richtung Süden entlang der afrikanischen Küste.

Jeweils rund eine Woche verbrachte er unter anderem in Äthiopien, Mogadischu, Mombasa, Sansibar und Kilwa. Mit dem Wechsel des Monsunwindes kehrte sein Schiff nach Süd-Arabien zurück. Nachdem er diese letzte Reise vor seiner endgültigen Sesshaftwerdung hinter sich gebracht hatte, entschloss er sich direkt, Oman und die Strasse von Hormus zu besuchen.

Von Mekka über Konstantinopel nach Delhi
Danach reiste er noch einmal nach Mekka, wo er wieder ein Jahr verbrachte und sich anschliessend entschied, sich um eine Anstellung beim muslimischen Sultan von Delhi zu bemühen. Um einen Führer und Übersetzer für seine Reise zu finden, ging er nach Anatolien, das sich unter der Kontrolle der seldschukischen Türken befand, und schloss sich dort einer Karawane nach Indien an. Eine Seereise von Damaskus auf einem genuesischen Schiff brachte ihn nach Alanya an der Südküste der heutigem Türkei. Von dort reiste er über Land nach Konya und Sinope an der Schwarzmeerküste.

Er überquerte das Schwarze Meer und ging in Kaffa auf der Krim an Land, womit er das Gebiet der Goldenen Horde betrat. Bei seiner Fahrt durchs Land traf er zufällig auf die Karawane von Ozbeg, dem Khan der Goldenen Horde, und schloss sich seiner Reise an, die auf der Wolga bis nach Astrachan führte. In Astrachan angekommen, gestattete der Khan einer seiner Frauen, die schwanger war, ihr Kind in ihrer Heimatstadt - Konstantinopel - zu bekommen. Man wundert sich nicht, dass Ibn Battuta den Khan überredete, ihn an dieser Reise teilnehmen zu lassen - die erste, die ihn über die Grenzen der islamischen Welt hinaus führte.

Gegen Ende 1332 kam er dort an, begegnete dem Herrscher Andronikos III. und sah die Hagia Sophia von aussen. Nach einem Monat in der Stadt kehrte er nach Astrachan zurück, um von dort aus hinter dem Kaspischen Meer und dem Aralsee nach Buchara und Samarkand zu reisen. Von dort aus wandte er sich Richtung Süden nach Afghanistan, um über die Bergpässe nach Indien zu gelangen.

Im Sultanat von Delhi
Das Sultanat von Delhi war erst kurz vorher islamisch geworden, und der Sultan wollte soviele islamische Gelehrte und Funktionäre wie möglich anstellen, um seine Macht zu stärken. Aufgrund Ibn Battutas Studienzeiten in Mekka wurde er als Kadi ("Richter") von Sultan Muhammad bin Tughluq in Dienst genommen.

Der Sultan war selbst nach damaligen Massstäben unberechenbar; Ibn Battutas Rolle schwankte zwischen dem luxuriösen Leben eines Vertrauten des Herrschers und vielerlei Verdächtigungen und Misstrauen. Schliesslich entschied er sich unter dem Vorwand einer weiteren Pilgerreise das Land zu verlassen, der Sultan bot ihm als Alternative jedoch an, Botschafter in China zu werden. Ibn Battuta ergriff natürlich die doppelte Gelegenheit, sowohl aus der Reichweite des Sultans zu kommen als auch neue Länder zu bereisen.

Über die Malediven nach China
Auf dem Weg zur Küste wurde seine Reisegruppe von Hindurebellen angegriffen, er wurde von seinen Begleitern getrennt, ausgeraubt und beinahe getötet. Trotz allem holte er seine Gruppe nach zwei Tagen ein und setzte seine Reise nach Cambay fort. Von dort aus segelte er nach Calicut im Südwesten Indiens. Während Ibn Battuta eine Moschee am Ufer besuchte, kam ein Sturm auf und zwei seiner Expeditionsschiffe sanken. Das dritte Schiff liess ihn am Ufer zurück; es wurde einige Monate später von einem regionalen König in Sumatra beschlagnahmt.

Aus Angst, als Versager nach Delhi zurück zu kehren, blieb er eine Weile im Süden unter dem Schutz von Dschamal al-Din. Als er dessen Gastfreundschaft lange genug genossen hatte, wurde es notwendig, Indien endgültig zu verlassen. Er entschied sich, seine Reise in das Kaiserreich China fortzusetzen, allerdings gleich zu Beginn mit einem Umweg über die Malediven.

Weit mehr Zeit als beabsichtigt, nämlich neun Monate, blieb er auf der Inselgruppe. Seine Erfahrungen als Richter waren auf diesen abgelegenen Inseln hochwillkommen, und er wurde - halb durch Bestechung, halb durch Gewalt - zum Bleiben genötigt. Seine Berufung zum obersten Richter und seine Heirat in die königliche Familie verwickelten ihn in die Lokalpolitik; als er einige strenge Urteile fällte, die in der liberalen Inselgesellschaft nicht akzeptiert wurden, musste er das Land schliesslich doch wieder verlassen. Er wandte sich nach Ceylon, um das religiöse Heiligtum Sri Pada (Adam's Peak) zu besichtigen.

Als er von Ceylon aus in See stach, sank sein Schiff beinahe in einem Sturm - nachdem ein anderes Schiff ihn gerettet hatte, wurde es von Piraten angegriffen. Am Ufer gestrandet, schlug sich Ibn Battuta wieder einmal nach Calicut durch, von wo aus er wieder auf die Malediven segelte, bevor er an Bord einer chinesischen Dschunke erneut versuchte, nach China zu kommen.

Dieses Mal glückte der Versuch - er erreichte zügig Chittagong, Sumatra, Vietnam und schliesslich Quanzhou in der Provinz Fujian. Von dort aus wandte er sich nach Norden in Richtung Hangzhou, unweit des heutigen Shanghai. Ibn Battuta behauptete ausserdem, noch weiter in den Norden, durch den Grossen Kanal (Da Yunhe) nach Peking gereist zu sein, was jedoch allgemein als Erfindung betrachtet wird.

Zurück nach Mekka und der Schwarze Tod
Bei seiner Rückkehr nach Quanzhou entschied sich Ibn Battuta nach Hause zurückzukehren - obwohl er nicht recht wusste, wo sein Zuhause eigentlich war. Zurück im indischen Calicut, erwog er kurz, sich der Gnade des Sultans Muhammad bin Tughluq auszuliefern, überlegte es sich jedoch anders und kehrte erneut nach Mekka zurück. Auf seinem Weg über Hormus und das Il-Chanat fand er den Mongolenstaat durch einen Bürgerkrieg in Auflösung begriffen; der Herrscher Abu Sa'id war inzwischen gestorben.

Als er in Damaskus ankam, um von dort aus seine erste Pilgerreise nach Mekka nachzuvollziehen, erfuhr er vom Tod seines Vaters. Der Tod blieb in diesem Jahr auch weiterhin sein Begleiter, weil die Pest ausgebrochen war und Ibn Battuta Zeuge der Ausbreitung des schwarzen Todes über Syrien, Palästina und Arabien wurde. Nachdem er Mekka erreicht hatte, entschied er sich, nach Marokko zurückzukehren, beinahe ein Vierteljahrhundert nach seiner Abreise von dort. Auf der Heimreise machte er einen letzten Umweg über Sardinien und kehrte dann nach Tanger zurück - um dort zu erfahren, dass auch seine Mutter einige Monate zuvor gestorben war.

Von Tanger nach Spanien und zurück
Aber auch in Tanger hielt es ihn nicht lange - er machte sich auf den Weg nach Al-Andalus - das islamische Spanien. Alfons XI. von Kastilien drohte Gibraltar zu erobern, und Ibn Battuta verliess Tanger zusammen mit einer Gruppe Muslime, mit der Absicht die Hafenstadt zu verteidigen. Als er dort ankam, war Alfons ein Opfer der Pest geworden und Gibraltar war nicht mehr bedroht; Ibn Battuta setzte seine Reise zum Vergnügen fort. Er reiste durch Valencia und erreichte Granada.

Ein Teil der islamischen Welt, den Ibn Battuta niemals erforscht hatte, war Marokko selbst. Auf seiner Rückreise von Spanien legte er einen kleinen Aufenthalt in Marrakesch ein, das nach der Pestepidemie und dem Umzug der Hauptstadt nach Fès beinahe ausgestorben war.

Wieder kehrte er nach Tanger zurück, und wieder reiste er weiter. Zwei Jahre vor Ibn Battutas erstem Kairobesuch, hatte der malische König Mansa Musa die Stadt auf seiner eigenen Hadsch durchquert und aufgrund seines protzenden Reichtums Aufsehen erregt - zu dieser Zeit kam etwa die Hälfte des Goldvorrates der Welt aus Westafrika. Auch wenn Ibn Battutas Aufzeichnungen hiervon nicht explizit berichten, so hatte das Hörensagen dieser Ereignisse wohl sein Interesse geweckt, da er sich in Richtung dieses islamischen Königreiches auf der anderen Seite der Sahara aufmachte.

Durch die Wüste
Im Herbst 1351 verliess Ibn Battuta Fès und erreichte die letzte marokkanische Stadt auf seiner Strecke (Sijilmasa) eine gute Woche später. Bei einer der ersten Winterkarawanen einige Monate später war er dabei, und schon einen Monat später fand er sich mitten in der Sahara in der Stadt Taghaza wieder. Als ein Zentrum des Salzhandels war Taghaza überschwemmt von Salz und malischem Gold - dennoch hinterliess die Stadt keinen günstigen Eindruck auf Ibn Battuta. Er reiste 500 Kilometer weiter durch den schlimmsten Teil der Wüste bis nach Mali, genauer nach Walata.

Auf seiner Weiterreise nach Südwesten glaubte er, auf dem Nil zu sein (tatsächlich war es der Niger), bis er in die Hauptstadt des malischen Reiches kam. Dort traf er Mansa Suleyman, der seit 1341 König war. Obwohl ihm die knauserige Gastfreundschaft des Königs suspekt war, blieb Ibn Battuta acht Monate dort, bevor er nigeraufwärts nach Timbuktu fuhr. Zu dieser Zeit hatte die Stadt noch nicht die Grösse und Bedeutung, die sie in den nächsten zwei Jahrhunderten erlangen sollte, zur Zeit Ibn Battutas Reise war sie jedoch klein und wenig beeindruckend, und er reiste bald weiter. Auf halbem Weg seiner Rückreise durch die Wüste - in Agades - erreichte ihn eine Nachricht des marokkanischen Sultans, die ihn nach Hause befahl. Ende Dezember 1353 traf er von dieser letzten Reise in Marokko ein.

Erinnerungen und Ruhestand
Auf Veranlassung des Sultans Abu Inan Faris diktierte Ibn Battuta seine Reiseerlebnisse dem Dichter Mohammed Ibn Dschuzaj. Obwohl einige Orte in dem entstandenen Werk „Rihla“ („Reisetext“) offensichtlich seiner Fantasie entsprungen waren, so stellt es doch eine der genauesten existierenden Beschreibungen einiger Teile der Welt im 14. Jahrhundert dar.

Nachdem er „Rihla“ veröffentlicht hatte, lebte Ibn Battuta noch 22 Jahre hochgeehrt in seiner Heimat, bis er im Jahr 1377 starb.

Über Jahrhunderte blieb sein Buch unbekannt, selbst in der islamischen Welt, und wurde erst im 19. Jahrhundert wiederentdeckt und in mehrere europäische Sprachen übersetzt. Seitdem gewann Ibn Battuta an Ruhm, und heute ist er eine bekannte Gestalt des Orients.