Johannes Leo Africanus (eigentlich: Al-Hasan ibn Mohammed al-Wassan), geboren um 1490 in Granada; verstorben nach 1550 in Tunis, war ein arabischer Reisender und Geograph.

Er bereiste von Marokko aus die Sahara und den Sudan und veröffentlichte seine Erkenntnisse in seinem Werk Descrittione dell'Africa (deutsch: "Beschreibung Afrikas"), das über Jahrhunderte das Standardwerk über diesen Teil Afrikas im europäischen Raum war, bis sein Wissen durch die Erkundungen europäischer Forschungsreisender wie Mungo Park, René Caillié und Heinrich Barth obsolet wurde. Barth, der selbst weite Teile der von Leo Africanus beschriebenen Länder persönlich besucht hatte, sollte für die renommierte Hakluyt Society eine kommentierte Übersetzung herausgeben, wurde aber durch seinen plötzlichen Tod im Jahre 1865 an der Fertigstellung gehindert. Die Ausgaben, die Ende des 19. Jahrhunderts im Auftrag der Hakluyt-Society und Mitte des 20. Jahrhunderts von französischen Wissenschaftlern publiziert wurden, stützten sich auf die gedruckten Editionen des 16. Jahrhunderts, die aber vom Herausgeber Ramusio gegenüber dem handschriftlichen Original stark überarbeitet worden waren. Viele der Mythen vom unermesslichen Reichtum Timbuktus gingen auf die Falschübersetzung durch den italienischen Herausgeber zurück, wie Dietrich Rauchenberger beim Studium der Originalhandschriften feststellen konnte.
 
Leo Africanus wurde von genuesischen Korsaren gefangen genommen und in die Sklaverei verkauft. Er lebte lange Jahre in Rom unter der Obhut von Papst Leo X., wo er zum Christentum konvertierte. Seine auf arabisch begonnene "Beschreibung Afrikas" vollendete er deshalb auch in italienischer Sprache. Das genaue Jahr der Fertigstellung ist nicht bekannt, da das Werk ursprünglich nicht zur Veröffentlichung gedacht war. Das Werk schilderte vor allem den Reichtum und Prunk des Songhai-Reiches und schilderte den Wohlstand der Karawanenmetropole Timbuktu, so dass es die Phantasien der Europäer bis ins frühe 19. Jahrhundert entfachte. Noch zweieinhalb Jahrhunderte nach seiner Erstveröffentlichung stachelte es das Interesse der nach Übersee exportierenden Staaten an und setzte somit auch indirekt die wissenschaftliche Afrikaforschung (seit etwa 1790) in Gang.

Nach traditioneller Auffassung kehrte Leo um 1550 nach Tunis zurück und wandte sich wieder dem Islam zu. Dieses Datum beruht auf Spekulationen und hängt mit dem Erscheinen der ersten gedruckten Fassung seines Reisewerkes zusammen. Der deutsche Orientalist Dietrich Rauchenberger nimmt an, dass Leo bereits um 1530 Rom verliess, denn danach gibt es keine Hinweise mehr auf seine Anwesenheit in Italien. Möglicherweise verstarb der Gelehrte noch auf italienischem Boden an einer der Seuchen, die im Gefolge der auf der Halbinsel tobenden Kriege ausbrachen. In Nordafrika jedenfalls finden sich keine Dokumente mehr, die seine Anwesenheit in Tunis oder einer der anderen Städte an der nordafrikanischen Mittelmeerküste belegen.
 
Die Gestalt des Leo Africanus ist umstritten, in manchen Theorien wird seine Existenz sogar ganz in Frage gestellt. So wird u.a. behauptet, sein Werk sei von einem venezianischen Ghostwriter verfasst worden, da venezianische Kaufleute seit dem 12. Jahrhundert Handel mit Nordafrika betrieben und auf diese Weise zahlreiche Informationen gesammelt haben müssen. Dem widersprechen allerdings detaillierte autobiographische Kommentare in der Descrittione dell'Africa. Allgemein gilt Leo Africanus als reale historische Person, es ist allerdings offensichtlich, dass auf Grund seines Ruhmes und seiner Jahrhunderte währenden Monopolstellung in afrikanischer Geographie zahlreiche Mythen und Legenden um seine Person entstanden sind. Relativ bekannt wurde Leo als Person durch den in viele Sprachen übersetzten Roman des Libanesen Amin Maalouf.