map essaouira

Allgemeine Infos

Essaouira, arabisch: الصويرة, Berber: ⵎⵓⴳⴰⴹⵓⵔ, Koordinaten: 31°31'N 9°46'W (bedeutet die Vollendete), das alte Mogador, ist heute ein bedeutender Fischereihafen und ein beliebtes Seebad mit ca. 80'000 Einwohnern (Stand 2010). Die Stadt liegt auf einer Halbinsel der südmarokkanischen Atlantikküste und zählt mit ihrer vollständig erhaltenen Medina und ihren beeindruckenden Festungsbauten zu den wichtigsten Zielen einer Marokko-Rundfahrt.

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Geschichte

Keramikfunde auf den Inseln vor Essaouira deuten auf die Anwesenheit phönizischer Seefahrer im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. hin, die von hier aus mit der Festlandsbevölkerung Tauschhandel trieben und vielleicht schon jene Schnecken aufkauften, aus denen der kostbare Farbstoff Purpur gewonnen wurde. Gegen Ende des 1. Jahrhundert v. Chr. unterhielt der mauretanische König Juba II. auf der grössten Insel eine Purpurmanufaktur; die gewonnene Farbe wurde nach Rom exportiert. Die Inselgruppe hiess damals »Insulae Purpurariae« (Purpurinseln), und »Purpurinseln« werden sie noch heute genannt, obwohl dort inzwischen keine einzige Purpurschnecke mehr lebt. Im frühen 11. Jahrhundert bezeichnete der arabische Geograph El-Bekri den weit ins Meer vorspringenden Felsen als Amogdoul, was »Ankerplatz« bedeutet. Auf Seekarten des 14.Jahrhunderts erscheint der portugiesisch abgewandelte Name Mogador. Im Jahre 1506 errichteten die Portugiesen ungefähr an der Stelle der heutigen Kasbah ein kleines Fort, das 1628 von den Saditen restauriert und vergrössert wurde. 1760 gründete der Alawidensultan Mulay Muhammad III. neben dem Fort eine ummauerte Stadt, um dem Süden seines Reiches einen eigenen Hafen zu geben und von hier aus das damals dänische Agadir zu kontrollieren. Die Planung der Befestigungsanlagen und auch der Stadt oblag dem Architekten Théodore Cornut aus Avignon, die Bauten führten europäische Gefangene und Renegaten aus. So erklärt sich der für islamische Städte unübliche regelmässige Grundriss der Medina, und die mächtigen Bollwerke verraten den Stil des grossen Festungsbaumeisters Ludwigs XIV., Sébastien le Prestre de Vauban (1633-1707). Die Stadt erhielt den Namen Essaouira, der sich vermutlich von »As-Suwaira« (= die kleine Festung) ableitet, aber auch »die gut Gezeichnete« bedeuten könnte. 1764 verlieh Mulay Muhammad III. der Stadt die Rechte eines Freihafens. Daraufhin bildete sich in Essaouira eine bedeutende jüdische Kolonie, die sich vor allem dem Handel mit England widmete; fast jeder zweite Einwohner war ein Jude. Mit dem Zusammenbruch des Saharahandels nach der französischen Besetzung von Timbuktu im Jahre 1894 schwand die Bedeutung des Hafens. Ihre jüdischen Einwohner wanderten ab. Heute ist Essaouira einer der grössten Fischereihäfen Marokkos.

Touristen Infos

Bedingt durch sein ganzjähriges hervorragendes Klima wird Essaouira vor allem von Touristen aus den marokkanischen Grossstädten besucht, verzeichnet aber auch steigende Besucherzahlen aus Europa, wobei die Franzosen in der Überzahl sind. Die im 18. Jahrhundert angelegte Medina von Essaouira mit ihrem – für Marokko völlig untypischen – weitgehend symmetrischen Grundriss, geradlinig verlaufenden Strassen und zwei Stadttoren wurde im Jahre 2001 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Eine Kollektion von Kanonen (Bronze und Eisen) aus dem 17. und 18. Jahrhundert steht auf der dem Meer zugewandten Scala de la Kasbah. Im Fischereihafen werden noch Schiffe in traditioneller Manier aus Holz gefertigt, Netze geflickt und Angelschnüre mit Ködern bestückt. Das Museum Mulay Muhammad III. beinhaltet eine Sammlung von Waffen, Münzen, Kleidung, Musikinstrumenten, Schmuck und Kunsthandwerk (u.a. Teppiche und Gegenstände aus „Thuya“-Holz). Es informiert über die Geschichte der Stadt und ihrer Umgebung sowie über Flora und Fauna der Region (z.B. über den Arganbaum). Eine Spezialität des örtlichen Kunsthandwerks ist die Herstellung von Kunst-, Gebrauchs- und Ziergegenständen aus dem Holz des Sandarakbaumes, der auf französisch auch „Thuya de Barbarie“ genannt wird. Die Stadt beherbergt mehrere Kunstgalerien – überwiegend mit Werken marokkanischer Künstler. Die Insel Mogador ist ein Vogelschutzgebiet, in dem von April bis Oktober Falken brüten. Sie darf ganzjährig nicht betreten werden. Der Flughafen von Essaouira liegt etwa 15 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Es bestehen regelmässige Busverbindungen zu allen Grossstädten des Landes.