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Driss Chraïbi

إدريس الشرايبي

Aktualisiert 2026, maghrib.ch
Driss Chraïbi
Driss Chraïbi
Driss Chraïbi (* 1926 - ☪ 2007) Abschnitte

Steckbrief

Name
Driss Chraïbi
Lebensdaten
* 15. Juli 1926 in El Jadida
☪ 01. April 2007 in Valence, Frankreich
Berühmte Werke
Le passé simple, La civilisation, ma mère !
Sprachen
Arabisch, Französisch

Allgemeines

Driss Chraïbi war einer der bedeutendsten französischsprachigen marokkanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. In seinen oft autobiografisch geprägten Werken setzte er sich intensiv mit Themen wie Kolonialismus, Patriarchat, dem Aufeinanderprallen der Kulturen und der Situation von Migranten auseinander.

Leben und Werdegang

Chraïbi wuchs als Sohn eines Teehändlers in Marokko auf und besuchte dort zunächst eine Koranschule sowie französische Gymnasien in Rabat und Casablanca. 1945 zog er nach Paris, um Chemie und Neuropsychiatrie bzw. Medizin zu studieren. Obwohl er 1950 erfolgreich sein Ingenieurdiplom in Chemie erwarb, wandte er sich kurz darauf komplett von den Naturwissenschaften ab, um sich ganz der Literatur und dem Journalismus zu widmen.

Vor und während seiner Karriere als freier Schriftsteller reiste er viel und bestritt seinen Lebensunterhalt in unterschiedlichsten Berufen – unter anderem als Chemiker, Nachtwächter, Arabischlehrer und Fotograf. Neben seiner Schreibtätigkeit arbeitete er über 40 Jahre lang als erfolgreicher Radioproduzent und Hörspielmacher für den französischen Sender France Culture und lehrte zeitweise maghrebinische Literatur an der kanadischen Université Laval. Für sein literarisches Schaffen wurde er unter anderem mit dem renommierten französischen Kulturorden Chevalier des Arts et Lettres ausgezeichnet.

Wichtige Werke

  • Le passé simple (Das einfache Vergangene, 1954): Sein legendärer Debütroman war eine radikale und provokante Abrechnung mit den patriarchalischen Strukturen der marokkanischen Gesellschaft und dem Kolonialismus. Das Buch löste heftige Debatten aus und war in Marokko bis 1977 offiziell verboten.
  • Les Boucs (Die Sündenböcke, 1955): Eines der ersten literarischen Werke überhaupt, das die prekäre Lebensrealität und den Rassismus gegenüber nordafrikanischen Einwanderern in Frankreich ungeschönt thematisierte.
  • La civilisation, ma mère! (Die Zivilisation, Mutter!, 1972): Ein humorvoller wie empathischer Roman über die Emanzipation einer traditionellen marokkanischen Mutter, die die westliche Moderne für sich entdeckt.
  • Die Inspektor-Ali-Reihe (ab 1981): Mit Une enquête au pays (Ermittlungen im Landesinnern) führte Chraïbi die Figur des eigenwilligen Kriminalinspektors Ali ein, mit dem er gesellschaftliche Missstände in Marokko satirisch aufs Korn nahm.