Personen · Schriftsteller
Ibn Ruschd
ابن رشد

Ibn Ruschd (* 1126 - ☪ 1198) Abschnitte
Steckbrief
- Name
- Ibn Ruschd
- Lebensdaten
- * 1126 - ☪ 1198
- Berühmte Werke
- Kitāb al-Kulliyyāt fī al-Tibb (Colliget); Die Inkohärenz der Inkohärenz
- Sprachen
- Arabisch
Allgemeines
Ibn Rushd (vollständiger Name ʾAbū l-Walīd Muḥammad bin ʾAḥmad bin Rušd), im Westen latinisiert als Averroes, war einer der bedeutendsten Philosophen, Ärzte und Juristen des islamischen Mittelalters. Er lebte von 1126 bis 1198 im maorischen Andalusien (geboren in Córdoba) sowie in Marokko.
Als herausragender Denker der Blütezeit des Islam baute er eine fundamentale intellektuelle Brücke zwischen der arabisch-islamischen Welt und dem christlichen Europa.
Zentrale Leistungen und Kernbereiche
- Der „Kommentator“ des Aristoteles: Ibn Rushd widmete einen Grossteil seines Lebens der Übersetzung und präzisen Analyse der Werke von Aristoteles. Im europäischen Mittelalter erlangte er so grossen Ruhm, dass er in akademischen Kreisen schlicht als „Der Kommentator“ bezeichnet wurde. Seine Schriften legten den Grundstein für die Renaissance der aristotelischen Philosophie an den ersten europäischen Universitäten.
- Harmonie von Glaube und Vernunft: Sein wohl wichtigster philosophischer Beitrag war die Argumentation, dass sich Göttliche Offenbarung (Religion) und rationales Denken (Philosophie) nicht widersprechen. In Werken wie der Massgeblichen Abhandlung legte er dar, dass die Wahrheit nicht der Wahrheit widersprechen kann. Wenn religiöse Texte der Vernunft scheinbar widersprechen, müssen sie laut ihm allegorisch interpretiert werden.
- Die Verteidigung der Philosophie: Mit seinem berühmten Werk Die Inkohärenz der Inkohärenz (Tahāfut al-Tahāfut) konterte er die Angriffe des Theologen al-Ghazali, der die Philosophie als unislamisch verdammt hatte, und verteidigte den rationalen Diskurs.
- Medizin und Recht: Neben der Philosophie war Ibn Rushd als oberster Richter (Qādī) in Sevilla und Córdoba tätig. Zudem wirkte er als Leibarzt der Almohaden-Sultane in Marrakesch. Sein medizinisches Enzyklopädie-Werk Kitāb al-Kulliyyāt fī al-Tibb (im Westen als Colliget bekannt) war über Jahrhunderte ein Standardlehrwerk.
Nachwirkung und Krise
Gegen Ende seines Lebens geriet er im Zuge politischer Umwälzungen unter den Almohaden in die Kritik dogmatischer Kreise, was zu einer vorübergehenden Verbannung und zur Verbrennung einiger seiner Bücher führte. Während sein Einfluss in der islamischen Welt danach über Jahrhunderte abnahm, entfaltete der nach ihm benannte Averroismus im jüdischen und christlichen Europa (unter anderem bei Thomas von Aquin) eine revolutionäre Wirkung und gilt als ein wichtiger Wegbereiter der europäischen Aufklärung.