Herrscher · Die Alawiden

Moulay Ismail

Arabisch: مولاي إسماعيل

Aktualisiert 2026, maghrib.ch
Herrscher dieser Dynastie

Steckbrief

Name
Moulay Ismail
Lebensdaten
* ca. 1645
☪ 22.03.1727
Regierungszeit
1672 - 1727
Dynastie
Die Alawiden
Nachfolger
Ahmad

Allgemeines

Moulay Ismail Ibn Sharif (ca. 1645 – 22. März 1727) war von 1672 bis 1727 der zweite Sultan der alawitischen Dynastie in Marokko. Mit einer Regierungszeit von 55 Jahren hält er den Rekord für die längste Herrschaft aller marokkanischen Sultane. Er gilt als einer der mächtigsten, aber auch grausamsten Herrscher der marokkanischen Geschichte und wird oft als „der Kriegerkönig“ oder „der Blutige“ bezeichnet.

Aufstieg und Konsolidierung der Macht

  • Nachfolge: Nach dem plötzlichen Tod seines Halbbruders Moulay Rashid im Jahr 1672 bestieg er den Thron. Zu Beginn musste er sich jahrelang in blutigen Thronstreitigkeiten gegen seinen Neffen durchsetzen.
  • Die Schwarze Garde (Abid al-Bukhari): Um unabhängig von unzuverlässigen Stämmen zu sein, schuf Moulay Ismail eine Elitetruppe aus bis zu 150.000 versklavten Westafrikanern. Diese extrem loyale Armee erlaubte es ihm, das Land komplett zu befrieden.

Aussenpolitik und Militär

  • Vertreibung der Europäer: Mit seiner Armee drängte er den europäischen Einfluss zurück. Er eroberte wichtige Küstenstädte zurück, darunter Tanger (1684 von den Engländern) und Larache (1689 von den Spaniern).
  • Auf Augenhöhe mit Europa: Er unterhielt diplomatische Beziehungen zum französischen „Sonnenkönig“ Ludwig XIV.. Legendär ist seine (abgelehnte) Brautwerbung um eine uneheliche Tochter Ludwigs XIV. Zum Trost schenkte der französische König ihm prunkvolle Standuhren, die noch heute in seinem Mausoleum stehen.

Das „Versailles von Marokko“

Moulay Ismail machte Meknès zu seiner Hauptstadt und baute sie zu einer prachtvollen Residenzstadt aus. Er errichtete kilometerlange Stadtmauern, monumentale Tore (wie das berühmte Bab Mansour), gigantische Palastanlagen und Stallungen für bis zu 12.000 Pferde. Aufgrund dieses Baubooms wird Meknès oft auch als das „Versailles von Marokko“ bezeichnet.

Grausamkeit und gigantische Familie

  • „Der Blutdürstige“: Seine Herrschaft war von extremer Brutalität geprägt. Historiker berichten von willkürlichen Hinrichtungen und Folterungen – oft eigenhändig durch den Sultan ausgeführt.
  • Hunderte Kinder: Moulay Ismail hielt einen riesigen Harem. Schätzungen und zeitgenössischen Berichten zufolge zeugte er im Laufe seines Lebens zwischen 868 und über 1100 Kinder mit Hunderten von Frauen und Konkubinen.

Vermächtnis

Sein Mausoleum in Meknès ist ein architektonisches Meisterwerk und eine der ganz wenigen Grabmoscheen in Marokko, die auch von Nicht-Muslimen betreten werden dürfen (der unmittelbare Grabraum bleibt jedoch Muslimen vorbehalten). Nach seinem Tod im Jahr 1727 versank das Land aufgrund von Nachfolgestreitigkeiten unter seinen zahlreichen Söhnen für Jahrzehnte im Chaos.