Allgemeine Infos

In der äussersten Südostecke Marokkos auf rund 900 M.ü.M. liegt die Oase Figuig, arabisch: فجيج, Koordinaten: 32°06' N 1°13' W, eine der berühmtesten Oasen Nordafrikas. Die Bevölkerung spricht überwiegend die Sprache der Tamazight-Berber. Amtssprache ist jedoch das klassische Arabisch. Französisch (seltener Englisch) wird von gebildeten, insbesondere von jüngeren Einwohnern gut verstanden. Die zum Teil nahe der umstrittenen Grenze zu Algerien verlaufende Strasse von Er Rachidia nach Figuig ist für Touristen immer wieder einmal gesperrt. Offen dagegen ist die P19 von Oujda. Beide Strassen führen durch dünn besiedelte hammadaähnliche Hochflächen ohne besondere Sehenswürdigkeiten, reizvoll nur für den, der das Farbenspiel karger Felslandschaften geniessen möchte und die Einsamkeit weiter Flächen sucht. Die Oase bedeckt eine rund 20 Quadratkilometer grosse elliptische Mulde und wird von sieben ummauerten Ksour bewirtschaftet: Zenaga im Süden, der grösste und bedeutendste Ksar, El Oudaghir, El Abidat, El Maiz, Ouled Slimane, El Hammam el Foukani und El Hammam et Tathani. Die rund 15'000 Einwohner leben von den 200'000 Dattelpalmen, von Töpferei, Lederbearbeitung und Textilherstellung. Viele Einwohner ziehen mit ihren Viehherden als Nomaden durch die Dahra oder arbeiten saisonweise in den Städten Marokkos und auch Algeriens.

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Geschichte

Die Stadt blickt auf eine lange Vergangenheit zurück, welche durch ihre historischen Ereignisse und deren kulturelle Dimensionen in der gesamten Sahara - und damit für Marokko - einzigartig ist. Mehrere tausend Jahre alte, in Felsen verewigte Tier- und Schriftgravuren bezeugen, dass die Entstehung von Figuig seit Urzeiten von Zuwanderung und Abwanderung zahlreicher Volksstämme geprägt wurde. Diese sind heute jedoch so miteinander verschmolzen, dass keines der sieben Ksour (Hammam Foukani, Hammam Tathani, Laâbidat, La Maiz, Loudaghir, Ouled Slimane und Zenaga) einem typischen Ursprung zugeordnet werden kann. Im 17. und 18. Jahrhundert war Figuig ein bedeutendes Karawanenzentrum. Im 19. Jahrhundert stritten Marokko und Algerien um den Besitz der Oase, seit 1845 ist sie marokkanisch.

Landwirtschaft

Der ökologisch sensible Oasen-Organismus kann das Gleichgewicht von Wasser, Mensch und Pflanze über Jahrhunderte hinweg nur dank eines ausgeklügelten, mit Kompetenz, Disziplin, Gemeinsinn und Solidarität betriebenen Bewässerungssystems bis in die heutige Zeit bewahren. Ökonomische Grundlage der Menschen ist die Landwirtschaft. Die Dattelpalmen, d.h. die Ernte ihrer Früchte sowie die Verwertung ihrer Blätter und Stämme (Bau- und Brennholz) bilden den Schwerpunkt der Oasen-Wirtschaft. Der Anbau erfolgt dort auf drei Vegetations-Ebenen: Ganz oben schützt die Dattelpalme die darunter liegenden, verschiedenartigen Obstbäume. Diese wiederum gewähren den untersten Kulturen (Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Kräuter usw.) wohltuenden Schatten. Daneben spielt aber auch die Viehzucht (Rind, Schaf, Ziege, Kamel, Esel, Hühner) eine bedeutsame Rolle. Die Einwohner haben ihr traditionelles handwerkliches Geschick aus der Zeit ihrer Vorfahren erhalten und perfektioniert. In vielen Familien handarbeiten Frauen wie eh und je mit Weben, Stricken, Häkeln und Sticken an Teppich, Djellaba, Pullover, Burnus und Tischdecke. Heimarbeiten, welche trotz ihres geringen Ertrages als weibliche Erwerbsgrundlage fortbestehen. Domäne der Männer ist die kunstvolle Tischlerei und Drechslerei von Möbeln und die filigrane Arbeit der Kunstschmiede.