Nach dem Dritten Punischen Krieg (149-46 v. Chr.) übernahm Rom die Territorien und Stützpunkte Karthagos. Doch Rom begnügte sich nicht mit Handelsbeziehungen, sondern forderte Unterwerfung und Tribut. Die Römer nannten die Masmouda Berber (= Barbaren) oder Mauri (von griech. Amauros = dunkel). Dem "Land der Dunkelhäutigen", das sich vorn Atlantik bis zum Ampsaga (Oued el-Kebir) im heutigen Algerien erstreckte, gaben sie den Namen Mauretania (Mauretanien). Der erste bedeutende maurische König der römischen Zeit war Bocchus I. (um 115 - um 80 v. Chr.). Er pflegte seine Feinde von Elefanten zertrampeln zu lassen und suchte ein Bündnis mit Rom, aber einige Senatoren verhinderten die Verständigung. Im Jugurthinischen Krieg (111 - 105 v.Chr.) zwischen Numidien und Rom stellte er sich zunächst auf die Seite seines Schwiegersohnes Jugurtha, des Königs von Numidien. Nach einigen schweren Niederlagen Jugurthas bat er den römischen Feldherrn Marius um Verhandlungen. Der Senat von Rom verzieh Bocchus, verlangte aber einen Freundschaftsbeweis. Daraufhin lieferte König Bocchus seinen Schwiegersohn, der zu ihm geflüchtet war, an die Römer aus, die ihn 104 v. Chr. im Triumphzug durch Rom führten und wenige Tage später hinrichteten.
Auf Bocchus 1. folgte sein Sohn Bogud I. (um 80-um 50 v. Chr.) auf dem Thron der Könige von Mauretanien. 81 v. Chr. hatte er den Römer Pompeius gegen die Numidier unterstützt. Nach Boguds Tod traten seine beiden Söhne Bogud II. (um 50 - 38 v. Chr.) und Bocchus II. (um 50 - 33 v.Chr.) die Nachfolge an. Bogud herrschte über den westlichen und Bocchus iiber den östlichen Teil des Reiches. 49 v. Chr. erkannte Caesar die beiden Könige an. Nach Caesars Ermordung im Jahre 44 v. Chr. schlug sich Bogud auf die Seite des Antonius und wurde im Jahre 38 v. Chr. von seinem Bruder, der Octavian, den späteren Kaiser Augustus, unterstützte, vom Thron gejagt. Da Bocchus keine Erben hatte, setzte Kaiser Augustus 25 v. Chr. Juba II. (25 v. Chr. - 23 n. Chr.), König von Numidien und Inhaber des römischen Bürgerrechts, als Herrscher über das gesamte Mauretanien ein. Seiner Frau Kleopatra Selene, Tochter der berühmten Kleopatra und des Antonius, ist es wohl zu danken, dass Juba für die Verbreitung der griechischen Kultur in Nordwestafrika sorgte. Er residierte teils in Jol, das er in Caesarea Mauretania umbenannte (heute Cherchell in Algerien), teils in Volubilis (Marokko).
Jubas Sohn Ptolemaios (23 - 40 n. Chr.) schlug im Jahre 24 einen grosen Berberaufstand nieder. Sein unermesslicher Reichturn ärgerte den römischen Kaiser Caligula, der Ptolemaios im Jahre 40 nach Rom einlud, ihn ermorden liess und seine Besitztümer einzog. Daraufhin wiegelte Aedemon, ein freigelassener Sklave des Ptolemaios, ganz Mauretanien gegen die Römer auf. Nach der Niederschlagung des Aufstandes wandelte Kaiser Claudius im Jahre 42 das Königreich Mauretanien in zwei römische Provinzen um: Mauretania Caesariensis mit der Hauptstadt Caesarea (Cherchel) und Mauretania Tingitana mit der Hauptstadt Tingis (Tanger). Jede Provinz wurde einem Procurator Augusti unterstellt; der Fluss Mulucha (heute Moulouya) bildete die Grenze.
Unter römischer Herrschaft erreichten zahlreiche mauretanische Berberscheichs hohe Stellungen, zwei von ihnen - Macrinus und Aemilianius - trugen sogar, wenn auch nur für Monate, den kaiserlichen Purpur. In blutigen Erhebungen stürmten die Berberstämme immer wieder gegen die römischen Stützpunkte und gegen den Limes, der sich seit etwa 144 n. Chr. südlich von Sala (Rabat/Salé), Volubilis und dem heutigen Fès nach Osten zog. Südlich dieses römischen Grenzwalles bewahrten die Berber ihre Unabhängigkeit. Strassen verbanden Tingis mit den Küstenstädten am Atlantik und mit Volubilis, das zeitweise Hauptstadt der Provinz Mauretania Tingitana war.
Seit Ende des 3.Jahrhunderts schwächte sich die römische Herrschaft ab. Im Jahre 372 eroberte der Berberfürst Firmus, unter Kaiser Valentinian 1. zum Oberbefehlshaber über die mauretanischen Truppen aufgestiegen, mit Hilfe der Atlasstämme und der Donatisten, Anhängern einer christlichen Sekte, ganz Mauretanien und Iiess sich zum Augustus ausrufen. Aber schon zwei Jahre später schlugen die Römer diese Erhebung blutig nieder; Firmus nahm sich das Leben. - Zu Beginn des 5.Jahrhunderts beherrschte Rom nur noch das Gebiet von Tingis (Tanger) und Septem (Ceuta).
Im Jahre 429 setzten 80‘000 Wandalen unter ihrem König Geiserich (428 - 477) von Spanien nach Afrika über. Der römische Feldherr Bonifatius soll die Germanen herbeigerufen haben, weil er sich gegen die Berber nicht mehr zu behaupten wusste. Aber die Berberstämme des Nordens schlossen sich den Wandalen an, und die Donatisten begrüssten sie als Befreier. Geiserich hielt Tingis und Septem besetzt und zog mit der Hauptmasse seines Heeres und zahlreichen Berbern nach Osten weiter, um von Karthago aus sein afrikanisches Reich, das bald auch Sardinien, Korsika, die Balearen und das westliche Sizilien umfasste, zu regieren. Seit Geiserichs Tod im Jahre 477 verfiel das Wandalenreich, die Berber übernahmen die westlichen Gebiete des Reiches. 533 zertrümmerte Belisar, Feldherr des byzantinischen Kaisers Justinian I., das Wandalenreich und führte Gelimer, den letzten König der Wandalen, im Triumphzug durch Konstantinopel; Justinian wies Gelimer reichen Grundbesitz in Galatien (Westtürkei) zu. Kaiser Maurikios (582-602) fasste die Territorien von Tingis und Septem mit einigen südspanischen Küstenstädten und den Balearen zur byzantinischen Provinz Mauretania Secunda zusammen. Das Landesinnere des westlichen Mauretaniens beherrschten nach wie vor die Berber.