Herrscher · Die Almoraviden

Taschfin Ibn Ali

Arabisch: تاشفين بن علي

Aktualisiert 2026, maghrib.ch
Herrscher der Almoraviden

Steckbrief

Name
Taschfin Ibn Ali
Lebensdaten
* ?
☪ März 1145 nahe Oran
Regierungszeit
1143 - 1145
Vorgänger
Ali Ibn Yusuf

Allgemeines

Taschfin ibn Ali war von 1143 bis 1145 der sechste Herrscher (Emir) der berberischen Almoraviden-Dynastie. Er übernahm das Reich in einer Phase des unaufhaltsamen Niedergangs und stand vor der monumentalen Aufgabe, das von Aufständen erschütterte Al-Andalus zu halten und gleichzeitig den massiven Vormarsch der verfeindeten Almohaden in Nordafrika zu stoppen.

Herkunft und Aufstieg

Taschfin kam aus der Herrscherfamilie der Sanhadja-Berber. Sein Vater war der langjährige Emir Ali ibn Yusuf (Regierungszeit 1106–1143) und sein Grossvater der legendäre Reichsgründer und Eroberer Yusuf ibn Taschfin.
Schon früh bewährte sich Taschfin als fähiger militärischer Anführer:

  • Statthalter in Al-Andalus: Ab 1126 agierte er als oberster Gouverneur auf der Iberischen Halbinsel. Er verwaltete Regionen wie Granada, Almería und Córdoba.
  • Militärische Erfolge: Im Kampf gegen die christlichen Königreiche im Norden errang er namhafte Siege, darunter bei Aceca (1130) und Fraga (1134).
  • Rückruf nach Marrakesch: 1138 beorderte ihn sein Vater zurück nach Marokko. Seine militärische Erfahrung wurde dringend benötigt, um der rasant wachsenden Bedrohung durch die religiös-politische Bewegung der Almohaden entgegenzuwirken.

Regierungszeit und Niedergang (1143–1145)

Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1143 trat Taschfin das Erbe an. Seine kurze Herrschaft war von einem verzweifelten Zweifrontenkrieg geprägt:

  • Truppenabzug aus Spanien: Um die Almohaden im Norden Marokkos zu binden, musste er Truppen aus Al-Andalus abziehen.
  • Zusammenbruch in Al-Andalus: Das dortige Machtvakuum führte zu einer Welle von lokalen Revolten gegen die almoravidische Vorherrschaft, wodurch die Herrschaft im heutigen Spanien und Portugal faktisch kollabierte.

Tragischer Tod

Im März 1145 wurde Taschfin von den Almohaden unter der Führung von Abd al-Mu'min im algerischen Oran belagert. Da eine Rettung auf dem Landweg unmöglich schien, forderte er eine Flotte aus Almería an, um über das Meer zu fliehen, und steckte sein eigenes Militärlager in Brand. Bei dem Versuch, den Hafen in der Dunkelheit zu Pferd zu erreichen, stürzte er im Atlasgebirge von einer Klippe und kam ums Leben.
Nach seinem Tod zerfiel das Almoravidenreich endgültig. Ihm folgte kurzzeitig sein minderjähriger Sohn Ibrahim ibn Taschfin, bevor die Almohaden nur zwei Jahre später (1147) die Hauptstadt Marrakesch einnahmen.