Herrscher · Die Almoraviden
Yusuf Ibn Taschfin
Arabisch: يوسف بن تاشفين
Herrscher der Almoraviden
Steckbrief
- Name
- Yusuf Ibn Taschfin
- Lebensdaten
- * ?
☪ 02. September 1106 in Marrakesch - Regierungszeit
- 1070 - 1106
- Dynastie
- Die Almoraviden
- Vorgänger
- Abu Bakr Ibn Umar
- Nachfolger
- Ali Ibn Yusuf
Allgemeines
Yusuf ibn Taschfin (auch Yusuf ibn Tashfin) war der bedeutendste Herrscher der berberischen Almoraviden-Dynastie. Unter seiner Führung stieg das Reich zu einem der mächtigsten islamischen Imperien seiner Zeit auf, das sich über weite Teile Nordafrikas und das muslimische Spanien (Al-Andalus) erstreckte.
Aufstieg und Reichsbildung in Nordafrika
Yusuf ibn Taschfin übernahm im Jahr 1070 zunächst die Regentschaft in Marokko von seinem Vetter Abu Bakr ibn Umar, der einen Aufstand im Süden niederschlagen musste. Yusuf ibn Taschfin festigte seine Macht rasch, baute eine effiziente Verwaltung sowie ein starkes Söldnerheer auf. Als Abu Bakr Ibn Umar 1073 zurückkehrte, überliess er Yusuf ibn Taschfin kampflos die Führung.
- Hauptstadtgründung: Er baute die von seinem Vorgänger begonnene Siedlung Marrakesch ab 1062 zur prachtvollen Hauptstadt und zum militärischen Zentrum des Almoraviden-Reiches aus.
- Expansion: Von Marrakesch aus eroberte er systematisch den Maghreb: • Fès (1075) • Tanger (1077) • Ceuta (1083) • Algerien im Osten bis nach Algier (um 1081/1082).
Die Rettung von Al-Andalus
Im 11. Jahrhundert war das einstige Kalifat von Córdoba im heutigen Spanien und Portugal in viele kleine, verfeindete Teilreiche (die sogenannten Taifas) zerfallen. Als der christliche König Alfonso VI. von Kastilien immer weiter vordrang und 1085 das strategisch wichtige Toledo einnahm, riefen die andalusischen Emire Yusuf ibn Taschfin zu Hilfe.
- Die Schlacht von Sagrajas (1086): Yusuf ibn Taschfin überquerte mit seinem Heer die Straße von Gibraltar und fügte den christlichen Truppen in der Schlacht von Sagrajas (auch Schlacht bei Zallaqa) eine vernichtende Niederlage zu. Dies stoppte die christliche Reconquista für Generationen.
- Annexion der Taifas: Angewidert von der politischen Schwäche und dem als unislamisch empfundenen Lebensstil der andalusischen Kleinkönige, kehrte Yusuf bald zurück, entmachtete die Emire schrittweise und gliederte ganz Al-Andalus (bis auf Saragossa) in sein Grossreich ein. 1102 eroberte er zudem Valencia zurück.
Bedeutung und Nachfolge
Yusuf ibn Taschfin galt als tief religiöser, asketischer und disziplinierter Herrscher, der die sunnitische Orthodoxie in seinem Reich streng durchsetzte. Er nahm den Titel Amir al-Muslimin („Anführer der Muslime“) an, erkannte jedoch die nominelle religiöse Oberhoheit des Abbasiden-Kalifen in Bagdad an.
Nach seinem Tod im Jahr 1106 folgte ihm sein Sohn Ali ibn Yusuf ibn Taschfin auf den Thron, der das kulturelle und administrative Erbe des Riesenreiches weiterführte.