Herrscher · Die Idrisiden

Idris II. ibn Idris I.

Arabisch: إدريس الثاني بن إدريس الأول

Aktualisiert 2026, maghrib.ch
Herrscher der Idrisiden

Steckbrief

Name
Idris II. ibn Idris I.
Lebensdaten
* August 791
☪ 828
Regierungszeit
802 - 828

Allgemeines

Idris II. war der zweite Herrscher der Idrisiden-Dynastie in Marokko und gilt als der eigentliche Organisator des ersten unabhängigen marokkanischen Staates. Er folgte seinem Vater Idris I., dem Dynastiegründer, und festigte die scherifische Herrschaft im westlichen Maghreb

Herkunft und Kindheit

Idris II. kam unter aussergewöhnlichen Umständen zur Welt:

  • Posthume Geburt: Sein Vater Idris I. wurde im Mai 791 von Agenten des Abbasiden-Kalifen Harun al-Raschid vergiftet. Idris II. wurde erst zwei Monate später (August 791) in der antiken Stadt Volubilis (Walili) geboren.
  • Berber-Wurzeln: Seine Mutter, Kenza al-Awrabiya, stammte aus dem mächtigen Berberstamm der Awraba. Dies sicherte ihm die Loyalität der lokalen Bevölkerung.
  • Regentschaft: Bis zu seiner Volljährigkeit führte Raschid, ein treuer befreiter Sklave und Berater seines Vaters, die Regierungsgeschäfte. Im Alter von elf Jahren wurde Idris II. schliesslich offiziell zum Imam ausgerufen.

Die Gründung von Fès und Staatsaufbau

Während sein Vater die Stämme geeint hatte, baute Idris II. die staatlichen Strukturen entscheidend aus:

  • Hauptstadt Fès: Um sich aus der Abhängigkeit der Awraba-Berber zu lösen, verlegte er die Residenz von Volubilis nach Fès. Unter seiner Führung entwickelte sich die Stadt ab 808/809 zum politischen, wirtschaftlichen und religiösen Zentrum des Reiches.
  • Arabisierung: Im Gegensatz zu seinem Vater stützte sich Idris II. stark auf arabische Einwanderer. Er nahm tausende arabische Flüchtlinge auf – darunter Familien aus Córdoba (Andalusien) nach einer Revolte im Jahr 818 sowie aus Kairuan (Ifriqiya). Sie prägten die ersten Stadtteile von Fès (Andalusier- und Kairuan-Viertel).
  • Zentralisierung: Er baute eine arabisch geprägte Leibwache und Verwaltung auf, um die Macht des Herrschers gegenüber den Berberstämmen zu stärken.

Expansion und Tod

Durch erfolgreiche Feldzüge weitete Idris II. das Herrschaftsgebiet massiv aus. Bei seinem frühen Tod im Jahr 828 erstreckte sich sein Reich vom Fluss Schalif (im heutigen Algerien) bis in die Region Sous im Süden Marokkos.
Nach seinem Tod im Alter von nur 36 Jahren wurde das Reich auf Wunsch seiner Mutter unter seinen Söhnen aufgeteilt, was langfristig die Zersplitterung der Dynastie einleitete. Sein Grab befindet sich in der berühmten Zaouia Moulay Idris II in der Medina von Fès und ist bis heute eine bedeutende Pilgerstätte.