Herrscher · Die Meriniden
Abū ʿInān Fāris
Arabisch: أبو عنان فارس
Herrscher dieser Dynastie
Steckbrief
- Name
- Abū ʿInān Fāris
- Lebensdaten
- *1329
☪1358 - Regierungszeit
- 1348 - 1358
- Dynastie
- Die Meriniden
- Vorgänger
- Abu l-Hasan Ali ibn Uthman
- Nachfolger
- Abu Muhammad Abdalhaqq II. ibn Uthman
Allgemeines
Abū ʿInān Fāris war der elfte Sultan der Meriniden-Dynastie in Marokko, der von 1348 bis zu seinem Tod im Jahr 1358 regierte. Er gilt als einer der bedeutendsten, aber auch rücksichtslosesten Herrscher seiner Dynastie, der den Maghreb kurzzeitig unter seiner Flagge vereinte und als grosser Förderer der islamischen Architektur und Wissenschaft in die Geschichte einging.
Weg zur Macht und Herrschaft
Abū ʿInān Fāris war bereits unter der Herrschaft seines Vaters, Abu l-Hasan, als Statthalter in Tlemcen (im heutigen Algerien) aktiv. Nachdem sein Vater 1348 eine verheerende Niederlage bei einem Feldzug in Ifrīqiya (Tunesien) erlitten hatte und fälschlicherweise für tot erklärt wurde, nutzte Abū ʿInān die Gelegenheit und liess sich selbst zum Sultan ausrufen. Dies führte zu einem zweijährigen Bürgerkrieg gegen seinen Vater, den Abū ʿInān Fāris schliesslich für sich entschied. Im Gegensatz zu seinem Vater nahm er den Kalifentitel Amīr al-Muʾminīn („Befehlshaber der Gläubigen“) an.
Militärische Kampagnen und Reichsvereinigung
Ähnlich wie sein Vater verfolgte er das ehrgeizige Ziel, den gesamten Maghreb unter der Herrschaft der Meriniden zu einen:
- 1352: Er eroberte das Reich der Abdalwadiden mit der Hauptstadt Tlemcen zurück und besetzte Bougie.
- 1357: Seine Truppen marschierten erfolgreich in Tunis ein
- Der Rückzug: Sein Grossreich war jedoch nicht von Dauer. Nach Aufständen arabischer Beduinenstämme im östlichen Maghreb verliessen ihn seine Truppen, was ihn zur Flucht zurück nach Marokko zwang.
Kulturelles Erbe
Trotz seiner oft grausamen Politik ging Abū ʿInān als grosser Bauherr in die Geschichte ein. Er versammelte Gelehrte, Chronisten und Dichter an seinem Hof, darunter zeitweise auch den berühmten Historiker Ibn Chaldūn. Zu seinen bekanntesten architektonischen Meisterwerken zählen:
- Die weltberühmte Madrasa Bou Inania in Fès, die bis heute ein Wahrzeichen marokkanischer Handwerkskunst und islamischer Architektur ist.
- Die gleichnamige Madrasa Bou Inania in Meknès
Tod und Niedergang
Nach seiner Rückkehr nach Fès erkrankte der Sultan schwer. Im Zuge einer Hofverschwörung im Januar 1358 wurde Abū ʿInān Fāris schliesslich von seinem eigenen Wesir (al-Fūdūdī) erdrosselt. Sein gewaltsamer Tod markierte den Beginn einer langen Phase von Palastrevolutionen und leitete den unaufhaltsamen Niedergang der Meriniden-Dynastie ein.